Barbara Kraus-Nohr

Konzertorganistin und Fachbuchautorin

Musikwissenschaft

Parallel zu ihrer Arbeit als Interpretin und Autorin didaktischer Bücher widmet sich Barbara Kraus musikhistorischen Themen.

Buttstett-Edition: Wiederentdeckung eines Thüringer Komponisten des 18. Jahrhunderts

Durch Zufall entdeckte Barbara Kraus-Nohr Ende der 90er Jahre in Rothenburg ob der Tauber Handschriften der bisher unveröffentlichten Kantaten des Thüringer Komponisten Franz Vollrath Buttstett (1735–1814). Buttstetts unveröffentlichte Motettenhandschriften konnten ebenfalls ausfindig gemacht werden. In den Jahren 2002 bis 2004 gab Barbara Kraus Partituren und Aufführungsmaterial der Kantaten und Motetten heraus. Die „Wieder-Uraufführung“ gestaltete ein Ensemble des Kieler Opernhauses unter der Leitung von Bettina Rohrbeck im Kloster Bronnbach.

Buttstetts Clavierwerke stellte Barbara Kraus-Nohr aus Drucken des 19. Jahrhunderts zusammen, die in Bibliotheken unterschiedlicher europäischer Länder verstreut archiviert sind. Die drei erhaltenen großen Claviersonaten bilden gemeinsam mit kleineren Kompositionen das heute verfügbare Clavierwerk Franz Vollrath Buttstetts. Die Präsentation der kritischen Gesamtausgabe dieser Musik des empfindsamen Stils gestaltete Barbara Kraus-Nohr 2004 in einem Konzert an historischen Tasteninstrumenten im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Bald darauf folgte ihre CD-Einspielung von Buttstetts  Clavierwerken an Hammerflügel und Clavichord.

 Franz Vollrath Buttstett, Sechs Kantaten des Jahrgangs 1772/73, Hamburg 2002.

 Franz Vollrath Buttstett, Motetten, Hamburg 2004.

 Franz Vollrath Buttstett, Clavierwerke, Hamburg 2003.

 

Angeregt durch ihre Konzertreisen in Frankreich verfasste Barbara Kraus-Nohr gemeinsam mit dem Hamburger Schriftsteller Andreas Nohr und unterstützt von Pariser OrganistInnen das „Orgelhandbuch Paris“, eine Dokumentation zu Orgelbau und Orgelmusik in Paris seit dem 16. Jahrhundert.

 B. Kraus, A. Nohr, Orgelhandbuch Paris, Hamburg 2007.

Auch die zweite Auflage dieses Buches ist inzwischen vergriffen, steht aber in mehreren Bibliotheken im deutschsprachigen Raum katalogisiert unter „Barbara Kraus“ zur Verfügung.
Das Buch ist als E-book hier erhältlich.

 

In den letzten Jahren beschäftigte sich Barbara Kraus-Nohr mit frühen Formen von Musiktheorie und Notation in Antike und Mittelalter. Soeben ist ihre Studie erschienen:

 B. Kraus-Nohr, Musik, Proportion und Zahl in den Merseburger Zaubersprüchen Hamburg 2026.

B. Kraus-Nohr: Musik, Proportion und Zahl in den Merseburger Zaubersprüchen

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Barbara Kraus-Nohr: Musik, Proportion und Zahl in den Merseburger Zaubersprüchen: Ein Blick auf fol.84r aus der Perspektive der visuellen Poesie

In dieser Studie betrachtet Barbara Kraus-Nohr die beiden im 10. Jahrhundert in althochdeutscher Sprache niedergeschriebenen heidnischen Zaubersprüche und das auf derselben Pergamentseite eingetragene lateinische Gebet aus einer in der Forschung bislang noch nicht eingenommenen Perspektive.

Die Autorin vermutet, dass die bisher als getrennte Einheiten wahrgenommenen Texte auf fol.84r ein minutiös durchkomponiertes Ganzes bilden: Das insgesamt 18-zeilige Werk scheint als auf Zahlenverhältnissen basierendes carmen figuratum angelegt, das in Struktur und Gestaltungstechniken mit Kunstwerken der visuellen Poesie aus Spätantike und frühem Mittelalter vergleichbar ist.

In ihrer an den septem artes liberales orientierten Analyse der Anordnung von Textzeilen, Buchstaben, Silben und Worten sowie der im gesamten Textfeld sichtbaren Zeichen legt die Autorin bisher unentdeckte Strukturen offen. In den 18 Zeilen tritt ein auf pythagoreischer und boethianischer Zahlenlehre und Musiktheorie beruhendes Gefüge zutage, in welchem althochdeutsche und lateinische versus intexti lesbar werden.

Darüber hinaus lassen sich zahlenkompositorische Muster und harmonische Proportionen nachweisen, die auch in anderen Werken frühmittelalterlicher Literatur und Kunst verarbeitet sind. Ferner können aus dem Textmaterial auf fol.84r Notationsweisen des 9./10. Jahrhunderts, geometrische Figuren und Runenformen erschlossen werden.

Als zentrale Inhalte dieses komplexen Sprachkunstwerks erscheinen - auf allen kompositorischen Ebenen - Musik und germanische Mythologie. 90 Abbildungen, Graphiken, Tabellen und Notationsbeispiele illustrieren diese Analyse.


Gebundene Ausgabe
216 S.
Hamburg 2026